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Wissensbasierte Ausbildung von Architekten - Szenarien für Lehre und Praxis in einem erweiterten Berufsumfeld, Dissertation

Wissensbasierte Ausbildung von Architekten - Szenarien für Lehre und Praxis in einem erweiterten Berufsumfeld, Dissertation
Autor:

Koch, Volker

Quelle:

Fakultät für Architektur, Institut für Industrielle Bauproduktion, Universität Karlsruhe

Datum: 05/2008

Wissensbasierte Ausbildung von Architekten

Szenarien für Lehre und Praxis in einem erweiterten Berufsumfeld

Knowledge-based training of architects

Scenarios for teaching and practice in a broader professional environment

 

Tag der mündlichen Prüfung: 19.05.2008

Referent: Prof. Dr.ès.sc.techn. Niklaus Kohler, Universität Karlsruhe (TH)

Korreferent: Prof. Dipl.-Ing. Richard Junge, Technische Universität München

 
Zusammenfassung

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem stattfindenden Wandel des Architektenberufs und den daraus resultierenden Fragen an die Ausbildung von Studierenden.

Die kritische Betrachtung der beruflichen Situation von Architekten zeigt, dass die Veränderungsprozesse neben konjunkturell vor allem strukturell bedingte Ursachen aufweisen und das Tätigkeitsumfeld der Architekten dauerhaft verändert wird. Obwohl die in diesem Zusammenhang verfügbaren Statistiken deutlich sind, wird bei der Bewertung der Situation von Architekturbüros der Begriff der Krise vermieden. Vielmehr wird versucht, die anhaltend schwierige ökonomische Lage zur Reflexion und Neuorientierung des Berufsstandes zu nutzen und auf Grundlage verschiedener Szenarien ein erweitertes Tätigkeitsfeld und ein darauf aufbauendes Ausbildungskonzept zu beschreiben. Zu diesem Zweck werden das heute gängige Bild des Berufs und die an den Hochschulen praktizierten Ausbildungskonzepte kritisch hinterfragt und gleichzeitig die spezifischen Potentiale von Architekten herausgestellt. Die Arbeit löst sich in den darauf folgenden Schritten von der klassischen Vorstellung von Architektenleistungen und stellt den Beruf als prinzipiell geeignet vor, komplexe Probleme auch außerhalb des Bauwesens bearbeiten zu können. Die Untersuchung widmet sich anschließend der Frage, wie die Ausbildung von Architekten an den Hochschulen auf diese Prozesse reagieren soll und über welche Kompetenzen Absolventen verfügen müssen, damit sie sich in einem erweiterten Berufsfeld positionieren können. Dazu werden die für die Zukunft erwarteten Aufgaben, Werkzeuge und Methoden dargestellt und ein Kompetenzprofil für Absolventen beschrieben. Die Arbeit beschreibt schließlich didaktische Module, die zur Ausbildung von Studierenden im Sinne der veränderten und erweiterten Berufsdefinition beitragen. Im Verlauf der Argumentation der Arbeit werden dabei folgende Thesen aufgestellt und überprüft:

·      In Zukunft werden mehr als die Hälfte der Absolventen der Fachrichtung Architektur nicht mehr im traditionellen Umfeld arbeiten.

·      Der komplexe Charakter von Bauaufgaben fördert den Erwerb von Schlüsselqualifikationen, die auf Arbeitsgebiete außerhalb des Bauwesens übertragen werden können.

·      Der Erwerb von Schlüsselqualifikationen hat eine höhere Bedeutung in der Ausbildung von Architekten als die Vermittlung von Fachkompetenzen.

·      Die zentrale Kompetenz von Architekten bildet die Fähigkeit zum effektiven Umgang mit Informationen und Wissen. Der differenziertere Einsatz informationstechnischer Werkzeuge ist notwendige Voraussetzung zum Erwerb dieser Kompetenz.

·      Die vollständige digitale Produktdatenmodellierung als gemeinsame Verständigungsebene der Planungsbeteiligten und der ubiquitäre rechnergestützte Umgang mit Informationen bilden die Rahmenbedingungen für alle zukünftigen Tätigkeiten von Architekten.

 
Abstract

The dissertation examines the shifts currently taking place within the architectural profession and their implications for the curriculum of architecture schools and faculties.

As a critical appraisal of the professional circumstances of architects reveals, the process of change, besides being economically driven, is primarily traceable to structural factors that will permanently transform the relevant vocational framework. While the statistical evidence for these trends is unequivocal, the notion of crisis is avoided in evaluating the situation facing architectural practices. Rather, the focus is on taking the persistently adverse business climate as a starting point for a close analysis of the profession and its potential reorientation, followed by the development of various scenarios marking out a broader remit plus attendant educational concept. This involves a critical examination of the prevailing conception of the profession and the educational approach embodied by university courses, together with a delineation of the specific potential offered by architects. The subsequent discussion moves away from the traditional understanding of architectural services and highlights the fundamental capacity of the profession for tackling complex problems, also outside the construction sector. The study then proceeds to explore the ways in which architecture curricula at universities should react to these processes and to examine the skills needed by graduates to equip them for a broader professional environment. This includes an account of the tasks, tools and methods likely to be of importance in future together with a graduate competency profile. The dissertation concludes with a description of didactic modules designed to gear student courses to the changed and expanded professional remit. In the progress of the discussion, the following hypotheses are put forward and examined:

·      In future, over 50% of graduates in the field of architecture are destined to work outside the traditional professional environment.

·      The complex nature of the construction process promotes the acquisition of soft skills amenable to application in fields outside the construction industry.

·      The acquisition of soft skills is of greater importance in architectural training than the teaching of hard skills.

·      The ability to handle knowledge and information efficiently constitutes the core competency required by architects. The versatile use of IT tools plays a pivotal role in the acquisition of this skill.

·      Start-to-finish digital product data modelling, as a common communication platform between design team members, and the ubiquitous computer-assisted processing of information represent the technologies that will shape all future activities of architects.